Alexander Zinn forscht als Sozialhistoriker zu Fragen von Diskriminierung und Verfolgung aufgrund der sexuellen Orientierung sowie zu Alltag und Stigma-Management Homosexueller im 20. Jahrhundert. Forschungsschwerpunkte sind die Homosexuellenverfolgung während der NS-Zeit und in der DDR. Derzeit untersucht er die Verfolgungspolitik in Sachsen in den Jahren 1933 bis 1968.

Von 1989 bis 1995 studierte Zinn an der Freien Universität Berlin Soziologie, Psychologie und Publizistik. Schwerpunkt der Studien waren geschichtswissenschaftliche Fragestellungen, so etwa die Entwicklung der Soziologie im „Dritten Reich“. 1995 schloss er das Studium bei Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joas mit einer Diplomarbeit über die „Soziale Konstruktion des homosexuellen Nationalsozialisten“ ab, die sich mit dem Homosexuellenbild in der Propaganda der antifaschistischen Exilpresse auseinandersetzte. Die Arbeit wurde mit der Note sehr gut bewertet.

Von 2010 bis 2016 war Zinn Doktorand im Fach Geschichte am Max Weber Kolleg der Universität Erfurt – zunächst unterstützt durch ein einjähriges Stipendium des Kollegs, von 2011 bis 2013 dann als Stipendiat der Friedrich Ebert Stiftung. Betreut von Prof. Dr. Dieter Gosewinkel vom Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin und Prof. Dr. Dr. Rüdiger Lautmann von der Universität Bremen entstand die Dissertationsschrift „Aus dem Volkskörper entfernt"? Alltag und Verfolgung homosexueller Männer im „Dritten Reich". 2017 wurde Zinn mit der Note summa cum laude zum doctor philosophiae promoviert.

Zinn ist Autor diverser wissenschaftlicher Publikationen zum „Dritten Reich“ und zu den Ursachen und der Prävention von Homosexuellenfeindlichkeit. 2011 veröffentlichte er unter dem Titel „Das Glück kam immer zu mir“ eine Biografie des Buchenwald-Überlebenden Rudolf Brazda, die eine breite publizistische Resonanz hatte.

In einem in der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft publizierten Aufsatz wendet sich Zinn gegen eine Reduzierung komplexer historischer Vorgänge auf eine banale Täter-Opfer-Dichotomie. Stigmatisierung und Stigma-Management begreift er als vielschichtige, aufeinander bezogene sozialpsychologische Prozesse, die mit Täter-Opfer-Kategorien nicht ausreichend zu beschreiben seien. An der bisherigen Forschung zur Homosexuellenverfolgung kritisiert er eine zu starke Fokussierung auf Opferbiografien, die dazu tendiere, den historischen Kontext ebenso auszublenden wie „unerwünschte“ biografische Aspekte. Dass Homosexuelle oft sehr eigenwillige Akteure waren, die ihre Biografien trotz widriger Umstände mehr oder weniger „erfolgreich“ gestalteten, gerate dabei leicht aus dem Blick.

 


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