Alexander Zinn

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Die Bewegung der Homosexuellen

S. 38-84 in: Grau/Grumbach/Kraushaar/Zinn,
Die Linke und das Laster.
Hamburg 1995: MännerschwarmSkript, 186 S., 20,- €.
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»Die Linke und das Laster«, so der Titel eines Sammelbandes zu schwuler Emanzipation und den Vorurteilen der Linken... Das Bild, das sich durch die Beiträge zieht, ist das eines schwierigen Verhältnisses »der Linken" zum Laster, einer allenfalls taktischen und sehr zaghaften Unterstützung schwuler Emanzipation durch die »Linke«, bei gleichzeitiger Nichtbefassung mit den eigenen anti-homosexuellen Vorurteilen, die immer wieder ausgepackt werden, wenn sie sich gegen die/den politische/n GegnerIn instrumentalisieren lassen... Spannend zu lesen ist der Beitrag von Alexander Zinn über »die soziale Konstruktion des homosexuellen Nationalsozialisten im antifaschistischen Exil«. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Diskurs über Homosexualität von theoretischen Entwürfen beeinflußt, die Männlichkeitsideale, Führerkult, Männerbünde und die patriarchale Gesellschaftsordnung als durch Homoerotik und Homosexualität getragen enttarnten. (S. 38) Die Homosexualität Ernst Röhms gab dem neue Nahrung, und seit 1933 wurde durch die deutschsprachige Exilpresse Homosexualität in einen wesenhaften Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus gebracht. Durch die Rückbesinnung auf linke Faschismusanalysen der 30er Jahre in Folge der StudentInnenbewegung von 1968 kam es in der BRD zu einem partiellen Wiederaufleben dieses Stereotyps, das sich selbst bei Klaus Theweleit wiederfindet, wenn er behauptet, »Männerbünde« neigten »zur Ausbildung 'homosexueller Praktiken', die, selber aggressiver Art, zum Umklappen in jede andere Form der Aggressivität fähig« seien (Theweleit 1987, S. 332).
Andreas Speck in: Graswurzelrevolution Nr. 210, 1996
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